Kleine Chronik der Forster Hänsel-Werke

Wie alles begann

Es ist kurz nach der Jahrhundertwende in Forst (Lausitz). Schornsteine prägen das Bild der Stadt. Es ist viel geschehen in den letzten 30 Jahren. Aus der kleinen Tuchmacherstadt ist eine moderne Industriestadt geworden. Forster Unternehmergeist hatte bald die Nachbarstädte in den Schatten gestellt: Forster Tuche waren schnell in aller Welt bekannt.

  • Im 30-jährigen Krieg wurde der Ort mehrfach verwüstet, und auch der 7-jährige Krieg richtete schwere Zerstörungen an.
  • 1746 verkaufte der König von Sachsen Forst an seinen Minister Heinrich von Brühl.
  • 1815 kamen Forst und die gesamte Niederlausitz unter preußische Herrschaft.
  • 1841 baute Carl August Groeschke (1812 -1886), der auf den Messen in Leipzig und Frankfurt/Oder inspiriert wurde, seinen Betrieb auf, um Buckskin-Stoffe zu produzieren. Buckskin heißt übersetzt Bockshaut.
  • 1883 wurde die Stadtbahn, zunächst als Straßenbahn gedacht, errichtet. Diese schmalspurige Bahn versorgte die Betriebe mit einem Netz von 24 km. Die „Schwarze Jule“ trug zum Erfolg bei.
  • Tuche und Buckskin aus Forst überflügelten bald alle Nachbarstädte, Sachsen und das Rheinland. Forst stand für diese Produkte an erster Stelle in Deutschland. Zu dieser Zeit zählte Forst 32.000 Einwohner und jeder dritte arbeitete in einer der Textilfabriken.
  • 1898 berichtet das Berliner Tageblatt mit seiner Nummer 258 über das „deutsche Manchester“. Der Reporter Heinrich Lee schreibt einen aufregenden Bericht von einer aufstrebenden Stadt, nicht ohne auf die Schwierigkeiten der damaligen Zeit hinzuweisen. Nach seinem Bericht war Forst bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts – gemessen an den Nachbarorten Guben und Cottbus – ein ziemlich bedeutungsloser Ort in der Neisseaue gewesen, auf vielen Landkarten dieser Zeit suchte man den Ort Forst vergebens.
  • Zur geschichtlichen Einordnung: Der 1. Mai war ein Freitag und noch kein Feiertag. Politisch war es ziemlich ruhig in Deutschland. Frauen dürfen sich in politischen Vereinen organisieren und durften in den Landesuniversitäten aufgenommen werden und studieren. In Wien trifft sich Kaiser Wilhelm mit Kaiser Franz Joseph. Der damalige Durchschnittslohn von 71 Pfennigen wurde erhöht auf 75 Pfennig. Für diese Erhöhung um 4 Pfennig entfiel aber der Vorteil, dass vor hohen Feiertagen 1/2 Stunde bei voller Lohnzahlung früher aufgehört werden durfte. Einheitlich wird ein Zinssatz von 3,5% angeboten. Im Stadttheater wird „Ein Walzertraum“ von Oscar Strauss gegeben. Die Eintrittspreise übrigens lagen zwischen 0,75 Mark und 1,75 Mark; der Stehplatz war für 50 Pfennig zu haben. Der erste weibliche Friseurlehrling legte in Cottbus seine Prüfung ab. Ein Weber schlägt einem anderen Weber ins Gesicht und wird dafür mit einer Strafe von 100 Mark belegt. Ein 18-jähriger Glaserlehrling beschädigt die größte Schaufensterscheibe der Stadt mit einem Glasdiamanten und wird dafür wegen Sachbeschädigung zu acht Monaten Haft verurteilt.

In dieser Zeit war ein junger Mann namens Oskar Hänsel unterwegs, um seine Erfindung anzubieten.

Bruno Henschke wurde am 8. Februar 1879 geboren. Sein Vater Otto Henschke (1832-1917) war mit Ida geb. Wenzel (1857-1900) verheiratet. Sie stammte aus der Firma Adolf Wenzel, in der ihr Mann Otto später tätig war und die Firma auch übernahm. In diesem Unternehmen wurden Tuche und Effektzwirne produziert.

Bruno Henschke hatte zunächst nicht vor, einen textilen Beruf zu ergreifen. Er besuchte das humanistische Gymnasium in Cottbus. Sein Wunsch war es, alte Sprachen zu studieren. Sein Vater, Otto Henscke, war schwer erkrankt und brauchte die Hilfe seines Sohnes. So musste dieser dann das Gymnasium verlassen, um dem Vater zur Seite zu stehen. Bruno erkannte sehr schnell, dass er eine gute textile Ausbildung brauchte. Er trat eine Lehre bei der Forster Tuchfabrik CATTIN an, um anschließend die Webschule in Forst, die damals schon einen außerordentlich guten Ruf hatte, zu besuchen. In der Zwischenzeit war die Produktion der Firma Otto Henschke, die aus der Adolf Wenzel’schen Fabrik hervorging, stillgelegt worden, die Gebäude waren vermietet worden.

Der 1. Mai 1908 gilt als der Gründungstag der Firma. Oswald Hänsel und Bruno Henschke ließen die „Offene Handelsgesellschaft Hänsel & Co“ in das Handelsregister eintragen. Das verbriefte Ziel dieser neuen Firma war es, einen ganz neuen deutschen Einlagestoff für Oberbekleidung zu schaffen.

  • Als Bruno Henschke sich von der Idee Oswald Hänsels hatte begeistern lassen, begann er sofort, die alte Familienfirma Otto Henschke wieder zu aktivieren. Das war gewiss nicht einfach, denn dazu gehörte Geld, viel Geld sogar. Bruno Henschke hatte sich viel vorgenommen. Die Erfindung von Oswald Hänsel umzusetzen und kontinuierlichen Rosshaarzwirn herzustellen, war nur ein Teil seiner Vision, er wollte einen ganz neuen Typ von Einlagestoffen entwickeln. So kam das nötige Startkapital dann von seinem Schwiegervater Carl Ersel.
  • Im Gründungsjahr 1908 wurden die ersten 25 Spindeln mit entsprechenden Zuführungseinrichtungen installiert, und der erste verwebbare kontinuierliche Rosshaarzwirn wurde hergestellt. Auf einem gemieteten Webstuhl wurde schließlich das erste deutsche Rosshaargewebe mit fest umzwirntem, nicht durchstechenden Rosshaar und besonderem Haargarnschuss gefertigt.
  • Dieser neue Einlagestoff erhielt als besonderes Kennzeichen orangefarbige Kanten und wurde „Original-Rosshaar“ genannt. Dieser Name wurde später in „HÄNSEL-ROSSHAAR“ umbenannt. Der Siegeszug eines ganz neuen Materials in alle Welt begann.
  • Ende 1908 waren bereits zwei eigene Webstühle im Einsatz. Am 8. November 1909 gab es in diesem Betrieb schon 26 Mitarbeiter. Das erfahren wir aus der Anmeldung zur Unfallversicherung der Firma Hänsel & Co. Als Inhaber sind hier Bruno Henschke und Karl Ersel eingetragen. Dieses Dokument zeigt auch auf, dass sich der Betrieb schon vergrößert hat auf 15 Webstühle, zwei Spulmaschinen und 160 Spindeln der Rosshaarzwirnerei.
  • Im darauf folgenden Jahr zog sich Oswald Hänsel aus dem Betrieb zurück, um sich anderen Aufgaben zuzuwenden. Den Namen HÄNSEL beließ er aber bei seiner Entwicklung, die ein großer Erfolg wurde, von Schneidern und Konfektionären begeistert aufgenommen wurde und bis zum heutigen Tage in aller Welt bekannt ist. Der weitere Aufbau der Fabrikation wurde intensiv vorangetrieben.
  • In den Monaten November und Dezember des Gründungsjahres wurden schon jeweils 1.800 Meter an den Handel ausgeliefert.
  • Im Jahr 1909 stieg die Produktion schon auf 172.000 Meter und ein Jahr später erreichte sie 690.000 Meter.
  • 1911 erreichte die Produktion sagenhafte 1,2 Millionen Meter.
  • Am 21. Juli 1911 traf das aufblühende Unternehmen ein schwerer Schicksalsschlag. Ein Großbrand, ausgelöst durch Selbstentzündung, vernichtete das fünfstöckige Hauptwerk an der Gubenerstraße.

Das Forster Tageblatt berichtete am Folgetag von dem gewaltigen Schadenfeuer, wie es seit Jahren in Forst nicht in solcher Furchtbarkeit gewütet hatte. In weniger als zwei Stunden war das fünfstöckige, im Jahr 1870 errichtete Gebäude eine Ruine.

Das Gebäude und das Inventar waren beim Forster Feuerversicherungsverein versichert, der amtlich festgestellte Schaden wurde mit 300.000 Mark beziffert.

Am folgenden Tag wurden die Kunden über die Katastrophe informiert. Aus der Mitteilung sprach Kraft und Zuversicht. Der Wiederaufbau ging sehr schnell vonstatten, und bereits 1912/1913 konnte in den neuen Werkräumen produziert werden.

  • 1913 wurden schon wieder 1,8 Millionen Meter ausgeliefert.
  • Neben der gewaltigen Aufbauarbeit mussten aber noch andere wichtige Dinge geregelt werden. Bruno Henschke legte von Anfang an größten Wert auf eine Absicherung aller Erfindungen und Weiterentwicklungen durch Patente. National und international wurden die geniale Erfindung Oswald Hänsels und auch alle Folgeerfindungen abgesichert.

Diese Patente machten eine Zusammenarbeit mit ausländischen Unternehmen möglich. So wurden schon frühzeitig internationale Kontakte geknüpft, die zu Lizenzproduktionen der neuen Rosshaarstoffe in Belgien, Russland, der Tschechoslowakei und in den USA führten.

Fast immer in neuerer Zeit aber benötigte man zur Herstellung modischer Bekleidung ein Stützmaterial, das die Verarbeitung und Modellierung überhaupt möglich machte. So weit ein Fachmann der Bekleidung zurückdenken kann, werden ihm Begriffe wie Wattierung, Wattierleinen, Klätzelleinen und auch Rosshaar einfallen. Wer alte Gewänder betrachtet, kann die Kunst des Schneiders bewundern, gleich ob zur Zeit des Barock, des Rokoko oder des Klassizismus und schließlich in der Zeit nach 1900, wobei man die vielen Arten von Uniformen in der Zeit vieler Jahrhunderte nicht vergessen darf: Überall und immer musste mit viel Watte, Leinen und Leim hantiert werden.

  • Durch die Erfindung von Oswald Hänsel gelang es Bruno Henschke, einen ganz neuen Typ von Einlagestoffen zu entwickeln. Mit Rosshaaren und mit anderen Tierhaaren, mit klug durchdachten Ausrüstungsverfahren konnte man nun ein Produkt herstellen, das leicht und elastisch war, nicht krumpfend und dressierbar. Ein völlig neuer Einlagestoff eröffnete dem Schneider eine neue Welt.
  • Für den Schneider war ein Umdenken notwendig. Aber jeder Schneidermeister erkannte schnell, welch ideales Material ihm nun zur Verfügung stand. Er konnte mit dem Material viel sicherer arbeiten und die Passform besser garantieren. Die Hänselwerke entwickelten immer neue Produkte, die auch den Handwerksbetrieb rationalisierten. Es wurde eine „vorgefertigte“ Einlage entwickelt, das Hänsel-Complet. Hier war kein Zuschneiden mehr nötig, das Einarbeiten wurde einfacher für den Schneider.
  • Mit einer Broschüre, die auch ein Preisausschreiben enthielt, wandte man sich an die Schneiderwelt. Dieser Broschüre waren kleine Stoffmuster beigefügt, außerdem wurden die richtige Verarbeitung und Modelle der Ganzwattierung beschrieben. Die ganze Branche war voll des Lobes.
  • Das „Hänsel-Echo“, eine Werkszeitung aus eigenem Verlag, informiert das Schneiderhandwerk.
    Die zuvor erwähnte Broschüre wies den Weg. Das Schneiderhandwerk brauchte Hilfe und Unterstützung, um mit dem neuen Material Höchstleistungen zu erzielen.

Die erste Ausgabe vom Frühjahr und Sommer 1927 kam bei der Fachwelt hervorragend an. Das war kein Mitteilungsblatt, das war keine Anleitung, das war mehr, als man erwartet hatte. Die fachliche Begleitung lag in den Händen von Markus Steiner, Fachlehrer aus Cottbus, der zur Geschäftsleitung gehörte. Die Mode nahm eine ganz wichtige Stelle im Hänsel-Echo ein. Das war zu dieser Zeit eine Sensation. Es gab noch keine Burdazeitung, es gab nicht die Vielzahl der Modejournale. Für den Schneidermeister war es nicht ganz so einfach, an Modeinformationen zu kommen. So eröffnete Hänsel einen nie gekannten Informationsdienst.

Es gab Anleitungen zur Weiterverarbeitung der Stoffe und zeigte Modetrends. Deutschlands Schneider sollten solche Mode herstellen, wie sie der Grafiker Harald Schwerdtfeger für das Unternehmen aufs Papier zeichnete.

Das „Hänsel-Echo“ zeigt den Mann von Welt – mal elegant-sportlich, dann wieder lässig, in Abendgarderobe oder beim Familienausflug. Die Mode nahm eine ganz wichtige Stelle im Hänsel-Echo ein. Die passenden Schnittmuster gibt es im Heft ein paar Seiten weiter.

Es ist eine einzigartige Werbeaktion für Hänsel-Produkte. Neben den Modezeichnungen finden sich auch Darstellungen aus dem Betrieb.

Schon in der ersten Ausgabe vom Frühjahr/Sommer 1927 werden die Erfolge der Hänsel-Werke gewürdigt. Und in einem späteren Vorwort heißt es: „Die bisherige Überlegenheit der Hänselwerke sowohl in der Größe des Betriebes wie in der Güte der Ware ist auch im Jahre 1928 weiter verstärkt worden. Von der Bedeutung der Hänselwerke geben folgende Feststellungen ein anschauliches Bild:
1. Die Hänselwerke sind die ersten gewesen, die Zwirnroßhaarstoffe überhaupt hergestellt haben. Alle übrigen Zwirnroßhaarstoffe, gleichviel in Deutschland oder sonst auf der Welt sind Nachbildungen der echten Hänselerzeugnisse.
2. Die Hänselwerke sind die ersten gewesen, die Roßhaarstoffe gewaschen und gekrumpft haben. Echte Hänselkrumpf ist überall auf der Welt der Begriff vollkommener Krumpfungsweise.
3. Die Hänselwerke sind größer als die gesamte übrige Zwirnroßhaarfabrikation Europas zusammengenommen.
4. Es gibt kein Zwirnroßhaarwerk auf der ganzen Welt, das auch nur annähernd an die Größe der Hänselwerke heranreicht.
5. Es gibt kein Zwirnroßhaarstoffwerk in Deutschland wie auch in den übrigen Staaten Europas, das nur den 4. Teil der Größe der Hänselwerke erreicht.“ (Quelle: „Hänsel-Echo“, Ausgabe 1)

  • Solche Äußerungen machen Eindruck in der Fachwelt. Das „Hänsel-Echo“ war zu dieser Zeit eine kleine Sensation. Die Auflagenhöhe liegt bei 120.000 Exemplaren. Bis Heft 26, Herbst-/Winterausgabe 1939/40, erschien das „Hänsel-Echo“ zweimal jährlich mit jeweils 16 Seiten.
  • Nicht nur in Deutschland ist das „Hänsel-Echo“ erhältlich. Belegt sind Landes-Ausgaben in den Niederlanden, der Tschechoslowakei und Frankreich. Es ist zu vermuten, dass auch in Skandinavien, den Benelux-Staaten, England, der Schweiz, Österreich, Jugoslawien und auch in Japan „Hänsel-Echos“ erschienen – oder es bis dorthin in deutscher oder englischer Sprache geschafft haben. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde das Erscheinen eingestellt.

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass alle Hefte in Wort und Bild immer frei waren von jeglichen politischen Äußerungen, sie informierten nur über Technik und Mode.

 

Vorwort des Hänsel-Echos von Bruno Henschke

Vorwärts

Vorwärts im Aufbau, vorwärts in der Qualität, vorwärts in der Menge! Das ist auch für das abgelaufene Jahr 1928 das Bild der Entwicklung der Hänselwerke.
Wir haben auch 1928 die Leistungsfähigkeit unserer Werke planmäßig weiter ausgebaut.Wir haben unseren Umsatz weiter steigern können, und wir haben jene leichten, weich elastischen und doch so sprunglebendigen Hänselwollroßhaar-Sorten – Hänsel WW und Hänsel WD – geschaffen, die, nicht teurer, aber ungleich besser als irgendein Kamelhaar, das Entzücken des anspruchsvollen Verbrauchers bilden.
Die bisherige Überlegenheit der Hänselwerke sowohl in der Größe des Betriebes wie in der Güte der Hare ist auch im Jahre 1928 weiter verstärkt worden. Von der Bedeutung der Hänselelwerke geben folgende Feststellungen ein anschauliches Bild:
1. Die Hänselwerke sind die ersten gewesen, die Zwirnroßhaarstoffe überhaupt hergestellt haben. Alle übrigen Zwirnroßhaarstoffe, gleichviel in Deutschland oder sonst auf der Welt sind Nachbildungen der echten Hänselerzeugnisse.
2. Die Hänselwerke sind die ersten gewesen, die Roßhaarstoffe gewaschen und gekrumpf haben. Echte Hänselkrumpf ist überall auf der Welt der Begriff vollkommener Krumpfungsweise.
3. Die Hänselwerke sind größer als die gesamte übrige Zwirnroßhaarfabrikation Europas zusammengenommen.
4. Es gibt kein Zwirnroßhaarwerk auf der ganzen Welt, das auch nur annähernd an die Größe der Hänselwerke heranreicht.
5. Es gibt kein Zwirnroßhaarstoffwerk in Deutschland wie auch in den übrigen Staaten Europas, das nur den 4. Teil der Größe der Hänselwerke erreicht.
Diese einzigartige Überlegenheit haben sich die Hänselwerke in zielsicherem, 20-jährigen Schaffen erarbeitet, und sie werden sie sich auch weiterhin sichern, wie bisher, durch die Zuverlässigkeit und überragende Güte der Hänselerzeugnisse. Hänsel-Roßhaar und Hänsel-Complet, echte Hänselkrumpfung, orange Kanten und orange Hänselroß sind und werden bleiben internationale Namen und Zeichen einzig dastehender Spitzenleistungen, gleich angesehen und anerkannt in allen Teilen der Welt.
Wir treiben keine uferlose Reklame. Wir überlassen das laute – leider oft so überlaute – Anpreisen gern denen, deren Ware dieser Anpreisungen bedarf. Unsere eigenen Werbekosten sind gering gegenüber unserem Umsatz. Unser erfolgreichstes Werbemittel ist unsere Ware. Unser ständiger Aufstieg beweist es besser als alle Worte, daß der Wert und die Zuverlässigkeit unserer Ware den Kreis der Hänselfreude in regelmäßiger Stetigkeit immer weiter und immer schneller vergrößert. Und mit besonderer Freude berührt es uns, daß unsere alten Hänselfreunde, wie wir aus vielfachen Zuschriften immer wieder ersehen dürfen, wenn sie es wirklich einmal anderweitig versucht haben, bald und endgültig zum guten, erprobten, zuverlässigen Original Hänsel zurückkehren. Hänsel bleibt Hänsel!
Wir stellen unsere Werbetätigkeit bewußt in den Dienst der Kulturarbeit des Schneiders. Wir wollen ihm in unserem Hänsel-Echo zeigen, wie der Wert seiner Arbeit durch sachgemäße Hänselverarbeitung gehoben und zuverlässiger gestaltet werden kann. Wir wollen ihm, wie der Freund dem Freunde, helfen, durch die Güte seiner Arbeit nicht nur seine Leistungsfähigkeit um ein bedeutendes zu erhöhen, sondern auch den Erfolg seines Schaffens zu sichern.
Güte der Arbeit, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit sind seit jeher die Grundpfeiler gewesen, auf denen wir unser Werk aufgebaut haben, auf denen die einzigartige Weltgeltung und der von allen Seiten anerkannte Weltruf der Hänselerzeugnisse geschaffen wurde.
Güte der Arbeit, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit sollen auch in aller Zukunft der feste, sichere Boden sein, auf dem wir unbeirrbar weiter arbeiten werden, in Treue gegen Treue, vorwärts und aufwärts.

HÄNSEL BLEIBT HÄNSEL!

  • Das noch junge Unternehmen hat den Ersten Weltkrieg wohl gut überstanden. Genaue Informationen über diese Zeit liegen leider nicht vor. Auch die Inflationszeit 1922/1923 hat nach den vorliegenden Zahlen keinen großen Schaden hinterlassen. 1923 wurden 1.3 Millionen Meter ausgeliefert mit einem Exportanteil von 20 %.

Bruno Henschke und sein Führungsteam schauten immer voraus. Exporte von Deutschland in bestimmte Länder der Welt könnten durch die politische Großlage schwieriger werden, erkannte der Vertriebsdirektor Max Preuss.

  • Sehr schnell realisierte man den Plan, in Tschechen einen weiteren Betrieb zu errichten.
  • Am 18. Oktober 1933 wurde das neue Werk in das Handelsregister eingetragen. Hans Preuss (24), Sohn des Vertriebsdirektors, nahm diese Aufgabe in die Hand. Die Strumpffabrik Polaczek wurde gekauft und hier die Fabrikation errichtet. Hans Preuss leitete erfolgreich den Betrieb, Aufträge aus aller Welt holte der Vater herein.
  • Das Hänsel-Echo erschien auch in tschechischer Sprache.
  • Gegen Ende des Krieges gab es keine Exporte mehr. Die Produktion der Hänsel-Werke Reichenberg (Lieberec) wurde zwangsweise (bewirtschaftetes Gut) an ein Uniformwerk in Sonneberg/Thüringen geliefert, wo die Einlagen in Luftwaffen-Uniformen verarbeitet wurden.
  • Hänsel Reichenberg ging an die tschechische Regierung verloren und wurde in das Kombinat Textilana in Liberec eingegliedert.
  • Nach dem Krieg errichteten Max und Hans Preuss ihre eigene Einlagestoff-Fabrik ROT-SCHWARZ in Ettlingen bei Karlsruhe. 1974 gab Hans Preuss die Produktion auf. Kunden, Lieferverpflichtungen, Vertreter und weitgehend die Lagerbestände wurden von Henschke übernommen.
  • Jürgen Preuss, Sohn und Enkel der Gründer, wurde als Chef der Entwicklung und Technik bei Hänsel Textil eingestellt.

Schon in den frühen Anfängen hat die Geschäftsführung großen Wert auf Ausbildung und Weiterbildung gelegt. Wo konnten junge Menschen damals schon Fremdsprachen lernen? Bei Hänsel war das nichts Außergewöhnliches. Die fachliche Weiterbildung in allen Abteilungen war ein Muss. In einer eigens eingerichteten Übungsfirma „Hänsel & Co.“ konnten sich junge Leute regelmäßig in allen Geschäftsvorfällen weiterbilden. Die Philosophie war, gleichzeitig das Zusammenwirken der einzelnen kaufmännischen Abteilungen und der Betriebsabteilungen zu übermitteln. Hier sollte auch Nachwuchs für höhere Positionen gefördert werden. „Mehr können als müssen“, das war der Leitspruch von Otto Rothe. Er war der Experte, unter dessen Leitung die Fortbildung zu einem großen Erfolg wurde.

Auch wurde der Betriebssport sehr gefördert. Die Hänsel-BSG hatte einen guten Ruf. Alles wurde angeboten: Fußball, Handball, Tennis, Tischtennis, Gymnastik, Kegeln, Ski und Schießsport. Man kann gar nicht alle Disziplinen aufzählen.

Aber nicht nur die sportliche Freizeitgestaltung wurde von Hänsel gefördert. Es gab auch einen Kreis der Fotofreunde, Briefmarkensammler und Gartenfreunde, und die Werkskapelle und der Hänselchor erfreuten mit so mancher Veranstaltung. Nicht vergessen werden darf die Hänsel-Küche. Sie bot nicht nur schmackhaftes und gutes Essen, sonder gab auch Kochunterweisungen unter dem Aspekt der richtigen Ernährung. Schließlich darf hier nicht unerwähnt bleiben, dass das Unternehmen darüber hinaus für Freizeit und Erholung stets gute Angebote hatte.

Sicher waren diese Bemühungen auch Zeichen der Zeit. Wir haben aber aus den Schriften „Hänsel-Werksecho“ und „Hänsel-Sportecho“ erfahren, dass die Unterstützung all dieser Aktivitäten ein echtes Anliegen der Hänselleitung war. Denn der Leitspruch von Bruno Henschke war: „Wer rastet, der rostet“.

  • Ab 1938/39 wurden in der Verwaltung das Rohstofflager und das Garnlager per Hollerith-Lochkartenverfahren abgerechnet. Da die Einführungsphase sehr erfolgreich verlief, rechnete man auch die Löhne mit dem Lochkartenverfahren ab, wodurch sehr viel Zeit gespart wurde.
  • Nach stetiger Aufwärtsentwicklung bis 1939 deckten die Hänselwerke allein die Hälte des Gesamtbedarfes an Zwirn-und Haareinlagestoffen in Deutschland und über 90% der Ausfuhr.

Bruno Henschke konnte bei Kriegsbeginn auf gesunde und florierende Betriebe in Forst, Reichenberg und Langenbielau blicken. In diesen Werken waren über 2.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Demontage und völlige Enteignung setzten nach 1945 einen Schlussstrich unter eine großartige Entwicklung.

  • Am 22. Februar 1945 begann der Beschuss auf die deutschen Stellungen entlang der Neiße und des Hinterlandes. Nach monatelangen Angriffen war die Stadt zu 88% zerstört. 38% der Industrieanlagen erlitten Totalschaden. Die Lage war katastrophal, es stellte sich ein trostloses Bild dar. Der russische Kommandant wollte Forst zur „Toten Stadt“ erklären. Aber die Forster rührten sich und entwickelten mit unzähligen Flüchtlingen aus dem Osten einen enormen Willen zum Wiederaufbau.
  • Durch den Befehl 127 des obersten Chefs der sowjetischen Militäradministration wurde aller Besitz beschlagnahmt. Eine Liste A wies die Firmen aus, die enteignet werden sollten – das waren 81 Betriebe, wozu auch Hänsel gehörte. Liste B zählte die Firmen auf, die zurückgegeben werden sollten. Aber was als Betriebe bezeichnet wurde, waren meist nur noch Trümmergrundstücke und Ruinen.

Das Ende des Krieges raubte der Stadt Forst das Gesicht und vertrieb viele ihrer Bürger. Aus den Trümmern versuchte man zu retten, was noch irgendwie verwendbar schien, und jeder machte das Beste aus der ungewissen Situation in der SBZ (sowjetisch besetzten Zone).

  • Die Reste der Hänselwerke wurden im November 1948 umbenannt in „Hänselwerk Vereinigung volkseigener Betriebe (VEB), Spinnweber Gubener Straße 37″.
  • Im Jahr 1955 wurde die VEB Haartex gebildet
  • 1960 wurde die Produktion nach Coswig verlegt
  • Schon ein Jahr später entstand die „VEB Ostdeutsche Tuchfabrik. Spinnerei und Zentralwerkstatt“
  • Schließlich wurde 1967 alles zusammengefasst unter “ VEB Forster Tuchfabriken“.

Bruno Henschke hatte sich nach dem Krieg in den Westens geflüchtet und baute in Iserlohn einen neuen Standort für Hänsel-Textil auf, der 2009 in Insolvenz ging. Auch das „Hänsel-Echo“ wurde wieder aktiviert.

Zwischen der Ausgabe Herbst/Winter 1955/1956 und der Ausgabe Herbst/Winter 1963/1964 erschien wieder 2x jährlich das „Hänsel-Echo“. Mit Heft 17 der Nachkriegshefte wurde das Erscheinen des „Hänsel-Echos“ eingestellt.

Die Einlagestoffproduktion ist in der DDR eigentlich nie wieder recht in Gang gekommen. Hin und wieder tauchten in Bundesrepublik Hänsel-Erzeugnisse aus der DDR mit der geschützten Originalbezeichnung HÄNSEL-ORANGE auf, die aber aus qualitativen Gründen keine Beachtung fanden. In den 70er Jahren lieferte Hänsel Textil aus Iserlohn große Mengen an Einlagestoffen in die DDR. Vermutlich wurden große Mengen dieser Federeinlagen in die UdSSR weitergeleitet.

  • 2015 endete das Kapitel Hänsel-Werke endgültig, der Betrieb in Iserlohn wurde eingestellt. Da war der Standort im Osten mit all seinen Nachfolge-Betrieben schon längst Geschichte.

Diesem kleinen historischen Abriss liegt die Firmenchronik der Hänsel Textil Gruppe zu Grunde, die anläßlich des 100jährigen Jubiläums 2008 in Buchform erschienen ist. Alle Daten, Fakten und Zitate wurden z.T. ungekürzt dieser Chronik entnommen und beschränken sich auf jene Teile, die für Forst (Lausitz) relevant sind. 

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